Vokalquartett VIVAT: Ein Hoch auf vier goldene Stimmen

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VIVAT in Lennep – v.l.: Oleg Semenov (1. Tenor), Sergej Chaplinsky (2. Tenor), Petr Samolyn (Bass), Viktor Stupnev (Bariton und Chef). |
VIVAT in Lennep – v.l.: Oleg Semenov (1. Tenor), Sergej Chaplinsky (2. Tenor), Petr Samolyn (Bass), Viktor Stupnev (Bariton und Chef). | Foto: Sarah Gold
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Die Kenner der Musikszene wissen es: Die musikalische Ausbildung am Konservatorium in St. Petersburg ist eine besonders gute. Der Pianist Artur Rubinstein war Mitbegründer des nach Rimsky-Korsakow benannten Konservatoriums, das zur Zeit ungefähr 1500 Studenten beherbergt und vielleicht noch einen etwas besseren Ruf genießt als das Pendant in Moskau. Von der fantastischen Ausbildung konnten sich zahlreiche Besucher der Kirche St. Bonaventura in Lennep am 3. Mai 2019 selber überzeugen.

Spenden für Kinderkrankenhaus

Denn das Vokalquartett VIVAT war zu Gast in Remscheid, wie in jedem der vergangenen fünfzehn Jahre. Das große Anliegen der vier Sänger ist es, der Intensivstation für Neugeborene am Kinderkrankenhaus St. Nikolaj Wundertäter in St. Petersburg die Spenden für ihre Gesangskunst zukommen zu lassen. Und wenn es nach der Begeisterung des Publikums geht, dürfte die finanzielle Unterstützung in diesem Jahr besonders üppig ausfallen.

Man stelle sich folgendes vor: Peter Bonzelet, Kantor der katholischen Kirchengemeinde St. Bonaventura und Heilig Kreuz, leitet klavierspielend zu Beginn des Konzertes den Gemeindechor, der sicher fünfzig Köpfe zählt und drei ausgesuchte Lieder sozuhören als Präludium vorträgt. Der Innenraum der Kirche in Lennep ist nicht eben klein zu nennen, als die vier Sänger von VIVAT vor dem Altar Aufstellung nehmen und singen. Selbst die Schreiberin dieser Zeilen, die bereits mehrere hundert Konzerte aller Couleur besucht hat, muss sich wiederholt über die Stimmkraft des Quartetts wundern, denn auch sie hört VIVAT nicht zum ersten Mal. Mit welcher Leichtigkeit vier Stimmen den Kircheninnenraum füllen (und nicht leiser sind als der fünfzigköpfige Chor), ist dazu angetan, Mund und Herzen zu öffnen und einfach nur zuzuhören. Natürlich können die Herren auch leise, beinahe bis zur Unhörbarkeit.

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Die musikalische Reise geht von Klassikern wie das „Vater unser“ von Peter Tschaikowsky, über „Ich bete an die Macht der Liebe“ (Bortnjanski), wobei sich das Quartett nicht nehmen lässt, die zweite Strophe in Deutsch zu singen, hin zu witzigen Trinkliedern, die am Ende dazu führen, dass sich die vier auch pantomimisch betätigen und gar wie ein Barbershop-Quartett klingen, ganz nah an altem Jazz. Jeder darf solieren, der strahlende 1. Tenor, der sanftere 2. Tenor, der Bass profundo, der selbst in den allertiefsten Tönen nichts von der Stimmkraft einbüßt, und der ungemein wichtige Bariton, der die Mittellage mehr als nur ausfüllt. Der Beifall war zu Recht enthusiastisch. Nach beinahe einer Stunde endete ein Konzert, das die Kraft und die Sensibilität der menschlichen Stimme aufs Feinste hervorhub.

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