Das Literaturfestival GertenBUCHstraße

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Puppenspieler Markus Heip begeisterte bei der GertenBUCHstraße nicht nur die Kinder. | Foto: Sascha von Gerishem
Puppenspieler Markus Heip begeisterte bei der GertenBUCHstraße nicht nur die Kinder. | Foto: Sascha von Gerishem
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Ein buntes Kulturprogramm, die „Book & Beat“-Börse der Knallfabrik, viele Lesungen und nachhaltiges Catering begeisterten die Besucher.

Von Anna Mazzalupi und Sarah Gold

Schmökern, vorlesen und zuhören standen am Samstag bei der GertenBUCHstraße der Vereinigung Gertenbachstraße und dem neuen Kulturkreis im Heimatbund Lüttringhausen im Mittelpunkt. Insgesamt 17 Lesungen warteten auf die Besucher. Die dritte Auflage der Literaturveranstaltung litt ein wenig unter dem unberechenbaren Wetter, obwohl die Veranstalter auch die Möglichkeit von Regen bedacht hatten. Daher musste die erste Bücher- und Musikbörse „Book & Beat“ sowie einige Künstler aufgrund des Niederschlags in den großen CVJM-Saal ausweichen. Die gefundene Lösung war zwar theoretisch praktikabel, die Veranstaltung wurde durch den anhaltenden Bergischen Landregen jedoch dezentriert, was schade war. Kurz gesagt: Das Wetter verhinderte einen größeren Besucherandrang hier und da.

Gemeinschaftliches Konzept

Kulturkreisvorsitzender Volker Beckmann, Heimatbundvorsitzende Christiane Karthaus, Carsten Pudel Knallfabrik), Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller und Wolfgang Vahrenholt bei der Begrüßung zur GertenBUCHstraße 2019. | Foto: Sascha von Gerishem
Kulturkreisvorsitzender Volker Beckmann, Heimatbundvorsitzende Christiane Karthaus, Carsten Pudel Knallfabrik), Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller und Wolfgang Vahrenholt bei der Begrüßung zur GertenBUCHstraße 2019. | Foto: Sascha von Gerishem
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Horst Kalckert. | Foto: Juudo-Fotografie
Horst Kalckert. | Foto: Juudo-Fotografie

Volker Beckmann, Leiter des renovierten Kulturkreises im Heimatbund und Mitglied der Vereinigung Gertenbachstraße, begrüßte die Besucher am Morgen gemeinsam mit der Heimatbundvorsitzenden Christiane Karthaus und dem Lüttringhauser Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller (CDU), der in Doppelfunktion auch den Schirmherren der Veranstaltung, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, vertrat. Auf der Bühne begrüßten sie zudem Wolfgang Vahrenholt, der für den Heimatbund das Fotobuch „Wir in Lüttringhausen“ produziert hat (www.wir-in-luettringhausen.de), und Carsten Pudel von der Knallfabrik. Er organisierte im Rahmen der GertenBUCHstraße zum ersten Mal „Book & Beat“ und verkündete, dass er dieses Format gerne zweimal jährlich abhalten möchte, einmal jeweils in Lüttringhausen und einmal in Remscheid. Schon bereits kurz nach dem offiziellen Start schmökerten Leseratten und Bücherfans im Saal zwischen Romanen, Sachbüchern oder auch Kinderbüchern. Plattkaller Horst Kalckert begeisterte unterdessen mit Erzählungen in bergischem Platt.

Peter Klohs liest Räuber Hotzenplotz. | Foto: Sarah Gold
Peter Klohs liest Räuber Hotzenplotz. | Foto: Sarah Gold

Literaturmäßig begann der Morgen in der Stadtteilbibliothek. Die Lütteraten hatten den Lüttringhauser Autor und Rezitator Peter Klohs (Für Elise) eingeladen, der für die kleinen Zuhörer eine Viertelstunde aus „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ vorlas. Anschließend gab es für die Erwachsenen noch „Geschichten aus dem Duden“ aus dem zweiten Buch des Remscheider Autors. Im Anschluss wurde es politisch. Kulturdezernent Sven Wiertz trug Václav Havels Dankesrede „Ein Wort über das Wort“ vor. Sie habe ihn nicht nur im Abitur begleitet, sondern sei auch heute noch aktuell. Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums, fasziniere die Nachhaltigkeit von Martin Luther Kings Rede „I Have a Dream“, die sie ausgesucht hatte. Landtagsabgeordneter Sven Wolf komplettierte das politische Trio. Den stärksten Eindruck hinterließ dabei der Vortrag des Kulturdezernenten.

Unmittelbar vor der Stadtteilbibliothek betrieben die Lütteraten einen Bücherbasar, der als Teil von Book & Beat“ gedacht war, nun leider etwas verloren wirkte.
Im großen Saal des CVJM-Hauses tummelten sich währenddessen nicht nur die Aussteller, die Bücher, CDs, LPs und hunderteweise Hörbücher oder DVDs anboten. „Freue mich, dass ein bunter Mix aus Händlern, gewerblichen und privaten, hier ist“, merkte Carsten Pudel von der Knallfabrik an. Insgesamt 20 Austeller feilschten bei „Book & Beat“ mit den Besuchern um die besten Preise. Organisatorisch hätte besser laufen können, dass der Stand des Lions Club vor der Tür noch gut in den Saal hätte integriert werden können. Für die erste Ausgabe war Pudel aber relativ zufrieden.

Regenplan griff gut

Überhaupt wurde der gesamte Speakers Corner sowie das Marionettentheater und die Schreibwerkstatt auf der Bühne untergebracht. Das Marionettentheater von Markus Heip faszinierte vor allem die jüngeren Besucher, die teilweise auch selbst angelernt wurden, eine Marionette zu führen. Die Geschichten mit dem Wassermann begeisterten die Kinder sehr. Ramona Schösse leitete auf der anderen Seite der CVJM-Bühne für „Die Welle“ eine Schreibwerkstatt mit Fortsetzungsgeschichten, die jeweils von immer neuen Autoren fortgeführt wurden. „Ich dachte erst, ich kann das gar nicht und habe auch keine Phantasie, aber einmal angefangen schrieb und schrieb ich immer weiter, das hat richtig Spaß gemacht“, freute sich Nicole Dahmen. Später vermittelten die Musiker von Peter Weisheit und den Dixietramps gekonnt und humorvoll die Musik aus dem Amerika der frühen Jahre des vorigen Jahrhunderts. Dabei stöberte mancher Besucher noch eine weitere Runde an den Verkaufsständen. Die beiden Remscheider Bücherfans Birgit Welp und Gertrud Mallwitz wurden schnell fündig. Krimis und Thriller gehören zu ihrer Lieblingslektüre. „Das ist toll hier. Aber es könnten noch mehr Aussteller sein“, sagte Welp.

Auch Bürgermeister David Schichel (Grüne) war zu Gast, der sich sehr positiv über den Nachhaltigkeitsgedanken äußerte, der seit diesem Jahr bei Bürgerfesten des Heimatbundes vorherrschen soll. Mit „Ressourcen und all die Dinge, mit denen wir umgehen, zu gebrauchen aber nicht zu verbrauchen“ brachte Schichel den Sinn treffend auf den Punkt. So war auch das Cateringangebot nachhaltig vertreten, und das im doppelten Sinne: Nachhaltigkeit war ein zentrales Thema der Anbieter. Foodsharing und Fairtrade Town kochten zum Teil aus geretteten Lebensmitteln und boten dieselben mit echten Tellern und echtem Besteck an (also KEIN Plastik!). Auch am Getränkestand gab es Gläser und Tassen statt Einweg. Auf diese Weise war das Müllaufkommen während der GertenBUCHstraße unglaublich gering. Die Eisenbahnfreunde servierten Grill- und Currywürste, gegenüber bei der Fairtrade Town gab es frische Pommes, live aus der rohen Kartoffel geschnitten, und vegane Suppen. Elke Gorka verschenkte am Foodsharing-Stand gerettetes Obst und Gemüse, um Besucher auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Die Schlawiner und die Frauengruppe El Ele servierten herzhaftes türkisches Gebäck und eine große Auswahl süßer Kuchen.

Bürgermeister David Schichel im Gespräch mit Volker Beckmann. | Foto: Sascha von Gerishem
Bürgermeister David Schichel im Gespräch mit Volker Beckmann. | Foto: Sascha von Gerishem

Abwechslungsreiche Lesungen

Für Besucherin Andrea Zimmermann aus Radevormwald sei es genau das richtige Lesewetter. Bei den gut besuchten Lesungen im Flair-Weltladen gefielen ihr besonders die Buchtipps von Susanne Pütz und Katrin Volk. Gespannt verfolgten die Gäste auch die Vorträge von Gerhilt Dietrich sowie Gisela Schmoeckel. „Durch die Lesungen erhält man einen anderen Blick“, erklärte Zimmermann. Generell finde sie solche Formate wichtig, um auch die jüngere Generation für Bücher zu begeistern.

Diese Meinung teilt die Heimatbundvorsitzende Christiane Karthaus, die selbst im Weltladen einen Auszug aus Ken Follets „Kinder der Wahrheit“ rezitierte. „Ich finde, es ist ganz wichtig, dass wir den Menschen die Bücher näherbringen, insbesondere, dass wir den jungen Menschen, die heute nur noch an Computern hantieren, einfach mal das Papier an die Hand geben“, betonte sie bei der Eröffnung.

Bei Kotthaus Berufsbekleidung im Prang City Center las Ulla Wilberg aus dem Buch „Das hier ist Wasser“ von David Foster Wallace und Daniela Krein, Geschäftsführerin vom BAF e.V., aus „Dienstags bei Morrie“ von Mitch Albom. Gianni Ferrugia von der Deutsch-Italienischen-Gesellschaft war zu heiser, so dass die dritte Lesung bei Kotthaus entfiel. Das kleine Publikum war sehr interessiert, aus beiden Lesungen folgten angeregte Diskussionen. Weiter ging es im Café Lichtblick. Der Remscheid noch immer sehr verbundene Satiriker Joe Fass gab einen kleinen Einblick in sein literarisches Schaffen und einen größeren Einblick in sein Werden und Leben. Auf humorvolle Weise betrachtet er mal bissig, mal schadenfroh oder auch mild lächelnd das Weltgeschehen auf der größten und allen kleinen Ebenen. Die letzte Lesung des Tages hielt Steph Hoffmann, Autorin (Finchen – Ein Adventskalender zum Vorlesen, beim LA erhältlich) und bekanntes Gesicht der Lüttringhauser Volksbühne. Vor kleinem Publikum las sie Auszüge aus „Das Lottchen“ von Kurt Tucholsky.

Man habe bewusst darauf verzichtet, die Diskussion um den Standort der Stadtteilbibliothek zu thematisieren, erklärte Volker Beckmann. „Wichtig ist, dass die Lütteraten und die Stadtteilbibliothek von der Aktion profitieren und noch mehr Unterstützung erhalten“, sagte er. Die Veranstaltung habe sich entwickelt. Neben neuen Leseorten konnten in diesem Jahr durch eine Förderung des Kulturausschusses der Stadt weitere Akteure gewonnen werden.

Beitrag von rs1.tv – Online-Stadtfernsehen für Remscheid

Arunava Chaudhuri, Chefredakteur von rs1.tv, sprach mit Volker Beckmann, Sven Wiertz und Carsten Pudel.

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