Wie fair ist unsere Kleidung?

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Lebhafte Diskussion im Flair-Weltladen. | Foto: Sascha von Gerishem
Lebhafte Diskussion im Flair-Weltladen. | Foto: Sascha von Gerishem
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Filmvorführung und Diskussionsrunde im Flair-Weltladen.

Im Lüttringhauser Flair-Weltladen an der Gertenbachstraße wurde zur Filmvorführung „Mode schlägt Moral – Wie fair ist unsere Kleidung?“ geladen. Der SPD-Ortsverein Lüttringhausen in Kooperation mit der AG Migration und Vielfalt und der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen veranstaltete den von Ulla Wilberg organisierten Abend im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Erschütternde Zustände

Rund fünfzig Gäste verfolgten die WDR-Dokumentation, die sich um Katastrophen in Textilfabriken dreht und aufzeigt, wie unter teilweise menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen Textilien produziert werden. Dabei wurde auch deutlich, dass neben hier billigst verkauften Textilien auch hochpreisige Markenware in den selben Fabriken produziert wird. Die Mitarbeitenden verdienen für die Produktion der Markenkleidung jedoch nicht mehr, der hohe Preis erhöht lediglich den Gewinn der Premiumhersteller. „Dass sich gerade beim Kleidungskauf im Rahmen der Globalisierung ein Mechanismus eingerichtet hat, dass wir nicht nur sehr günstige, zu günstige, Kleidung beziehen, sondern dass wir auch auf Kosten anderer dabei leben, das ist vielen Menschen gar nicht so im Bewusstsein“, stimmte Johannes Haun, Vorsitzender der Ökumenischen Initiative als Betreiber des Weltladens, die vielen Besucher, unter denen einige Schüler der Fairtrade AG des Röntgen-Gymnasiums waren, nachdenklich.

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Im Anschluss an die Filmvorführung gab es unter Moderation von Josef Neumann (SPD, MdL) einen Gedankenaustausch mit geladenen Gesprächsgästen: Anne Marie Faßbender, ehemalige Vorsitzende des Jugendrates und aktuelle Vorsitzende von Remscheid Tolerant, Thordis Kotthaus, Inhaberin von Berufsbekleidung Kotthaus an der Gertenbachstraße, Burhan Türken von den Jusos und Dr. Gerhilt Dietrich für die SPD-Frauen.

Um zumindest für den öffentlichen Sektor Verantwortung zu übernehmen, wurde mal die „faire Beschaffung“ eingeführt, dass also Polizisten, Feuerwehrleute, Busfahrer, etc. unter fairen Bedingungen hergestellte Dienstkleidung mit klaren Lieferketten erhalten. Mit dem ersten Entfesselungsgesetz hat die aktuelle Landesregierung die Nachweispflicht zur Einhaltung internationaler Arbeitsrechte und Umweltstandards aus dem Tariftreue- und Vergabegesetz (TVgG) NRW jedoch wieder gestrichen.

Wer jung ist, hat nicht so viel Geld, möchte aber dennoch konsumieren, meinte Anne Marie Fassbender. Daher müsse man besonders der Jugend bewusster machen, wieviel sie selber, durch ihren Konsum, für die Arbeitenden der Textilindustrie, etwa in Bangladesch, beitragen können. Thordis Kotthaus entschied sich bewusst dafür auch Textilien wie T-Shirts oder Polohemden ins Sortiment aufzunehmen, die unter fairen Bedingungen produziert wurden: „Bei uns war auch die Nachfrage da, wir haben das Label ‚Neutral‘, das in Indien hergestellt wird. Aber es ist nicht nur das Konsumverhalten der Jugendlichen, wir alle müssen unser Verhalten zu dieser Thematik ändern. Dieser Überfluss in unseren Kleiderschränken muss nicht sein“, propagierte sie. Große Zustimmung im Raum. Burhan Türken war sich sicher, dass die Jugend bereit dafür sei sich aktiv einzusetzen, wie etwa zu den Freitagsdemonstrationen. „Ich glaube, dass die Demonstrationen bedeuten: Politiker redet nicht – macht! Und wenn man sagt, das ist eine politische Stadtteilentwicklungsfrage, erwartet man von Politikern, dass sie genau an der Stelle die Anliegen der jungen Menschen weiterbringen“, meinte Volker Beckmann von der Steuerungsgruppe Fairtrade Town-Remscheid.

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