Im Leid so nah!

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Viele Menschen werden auch in unserem Stadtteil von Angehörigen versorgt und gepflegt. Häufiger sind es die Frauen in der Familie, aber auch Männer, die ihre kranken oder alten Angehörigen – die alt gewordenen Väter und Mütter – versorgen.

Liebevoll entsteht eine Struktur, die trägt, vielleicht unterstützt von mobilen Pflegediensten. Das ist eine große gesellschaftliche Leistung, die bisher immer noch zu wenig von Staat und Gesellschaft honoriert wird. Auf der anderen Seite entsteht über die Versorgung und Pflege immer wieder eine Dichte, die die Beziehung zwischen den Generationen in einem ganz neuen Licht erstrahlen lässt und große Tiefe vermitteln kann.

Im Kirchenjahr beginnt mit dem Aschermittwoch die Passionszeit, die Leidenszeit, in der wir uns ganz besonders an das Leiden und Sterben Jesu Christi erinnern. In einer so leistungsorientierten Welt ist es gut, so auch an die Begrenzungen menschlichen Lebens zu erinnern. Was wird sein, wenn wir selber alt, krank und gebrechlich werden? Wer wird uns versorgen? Das fünfte Gebot nach biblischer Zählung erinnert daran, indem es sagt: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“ (2. Mose 20,12) Eine sehr alte Formulierung eines Generationenvertrages.

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Die Passionszeit lässt uns einüben, auch in einer Eventgesellschaft, dass nicht immer alles auf Spaß und Selbstbestimmung angelegt ist, sondern auch Zeiten des Verzichts, ja sogar des Leidens eine große tiefe menschliche Bindung entstehen lassen kann, wie sich pflegende Menschen immer wieder berichten. Das Wort „Passion“ kann ja mit Leiden, aber auch mit Leidenschaft übersetzt werden. Lassen Sie sich einladen, sich leidenschaftlich einzusetzen für andere. Es wird unsere Gesellschaft humaner machen.

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