Vielfalt

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Die Vielfalt scheint in unserer Welt immer größer zu werden. Im Supermarkt gibt es eine Auswahl an verschiedensten exotischen Lebensmitteln und im Internet ist das Sortiment unbegrenzt. Die Lebenswege sind schon lange individualisiert, der Beruf soll Berufung sein, die Hobbys besonders und der Urlaub möglichst weit weg sein.

Gleichzeitig verliert diese Welt an vielen Stellen ihre Vielfältigkeit. Pflanzen- und Tierarten sterben aus. In der Modeindustrie wird Uniformität großgeschrieben. Dialekte werden kaum noch gesprochen. Die Anzahl der gesprochenen Sprachen sinkt weltweit.

Die Frage danach, wie gehen wir mit Menschen um, die nicht nach dem allgemein gültigen Lebensentwurf leben? Die Akzeptanz füreinander sinkt. Fundamentalistisches Denken nimmt zu. In Glaube und Religion ist die Gefahr groß seine eigene Vorstellung für absolut zu erklären. Der Wunsch dahinter: Klare Antworten, Orientierung und Sicherheit. Leider ist das Leben nicht so leicht sortierbar in schwarz und weiß. Häufig ist nicht nur eine Antwort möglich und denkbar, sogar bis in die Mathematik. Mit dieser Ambivalenz müssen und dürfen wir leben.

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Das ist kein Aufruf zur Gleichgültigkeit, alles hinzunehmen oder als gleichwertig anzusehen oder sich nicht für etwas zu entscheiden. Es braucht mehr und mehr Mut zu Vielfalt und Uneindeutigkeit. Das beginnt mit der Bewahrung alter Gemüsesorten und endet bei der Vorstellung von Gott. Gott kann der feste Grund sein, aber ebenso die Weite des Meeres. Es gibt den einen Gott und dennoch glaube ich als Christin an drei Erscheinungsformen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das manchmal drei gleich eins ist, Gott das Fundament und die Freiheit scheint unmöglich gleichzeitig gelten zu können. Diese Uneindeutigkeit muss ich aushalten.

Wenn es mir bei Gott gelingt, sollte es doch auch mit der Vielfalt meiner Mitmenschen und deren Lebensentwürfen möglich sein.

In diesen Tagen startet der Karneval langsam in die heiße Phase. Damit wird in unserer Region Vielfalt, buntes Leben, Individualität und auch regionale Tradition wie die Kölsche Sproch sichtbar und hörbar gepflegt. Kasalla singt in „Stadt mit K“ folgende Verse:

„Woröm luurt ihr mich esu aan?
Vielleich hann ich se ni mieh all!
doch wo ich häkumm es dat normal.
Ich ben e besje sonderbar,
e janz besonder Exemplar.“

In diesem Sinne: Seien Sie ein besonderes Exemplar und wertschätzen Sie alles nicht ganz Normale.

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